18.12.2010

Stadtwerke-Konsortium und Evonik unterzeichnen Kaufvertrag

Das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr hat heute den Kaufvertrag zur Übernahme von 51 Prozent an der Evonik Steag GmbH unterzeichnet.

„Dies ist ein wichtiger Tag für unser Unternehmen", kommentiert Dietmar Bückemeyer, Vorstandsmitglied der Stadtwerke Essen AG, den Vertragsabschluss.
„Die Investition in die Steag dient nicht nur der weiteren Stärkung unseres eigenen Geschäftes. Mit den Anlagen der Steag sind wir vielmehr innerhalb des Konsortiums
in der Lage, künftig auf eigene, leistungsfähige Erzeugungskapazitäten zurückgreifen zu können."

Der Kaufpreis für den 51 Prozent-Anteil liegt bei 649 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat von Evonik muss die Transaktion noch bestätigen, ein Beschluss des Kuratoriums der RAG-Stiftung wird dieser Entscheidung vorausgehen; beides wird im Januar erwartet. Bei planmäßiger Erteilung der erforderlichen Zustimmungen sowie der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden wird der Kaufvertrag voraussichtlich zum Ende des ersten Quartals 2011 wirksam, dem Zeitpunkt des sogenannten Closing.

Das Konsortium wird durch den Kauf zur größten kommunalen Erzeugungsplattform im konventionellen und regenerativen Bereich in Deutschland. „Dies stärkt die Position von Stadtwerke-Unternehmen und trägt zum Wettbewerb bei“, sagt Bückemeyer weiter. Darüber hinaus ist das Engagement der Stadtwerke Essen AG zudem eine Investition in die Zukunft: „Die Steag bietet Wachstumspotenzial und so werden wir das gemeinsame Know-how nutzen, um das Unternehmen weiter auszubauen.“ Zu den Zielen des Konsortiums gehört auch, den ökologischen Aus- und Umbau weiter voranzutreiben. Dazu zählen Investitionen zum Ausbau der regenerativen Energien und der Bau von umweltfreundlicheren Gas- und Dampfkraftwerken.

Region im Blick

Die Stadtwerke-Unternehmen des Konsortiums verfolgen mit dem Anteilskauf eine Strategie der interkommunalen wertschöpfungsorientierten Kooperation, von der auch die Region profitieren soll.

Zusätzlich zum ökologischen Ausbau der Steag will das Konsortium zudem die Fernwärme als einen wichtigen Eckpfeiler einer umweltfreundlichen Wärmeversorgung weiter entwickeln. „Die Rhein-Ruhr-Region gehört zu den dichtesten Ballungsräumen Europas. Ein Ausbau der Fernwärme macht demzufolge nicht nur industrie- und umweltpolitisch, sondern auch unter unternehmerischen Gesichtspunkten Sinn“, so Dr. Hermann Janning, Vorstandsvorsitzender des Konsortialführers Stadtwerke Duisburg AG.

Option ermöglicht kompletten Steag-Kauf

Das Stadtwerke-Konsortium hat mit Evonik eine Vereinbarung abgeschlossen, die es erlaubt, auch die weiteren 49 Prozent an der Evonik Steag GmbH zu kaufen. Zunächst müssen die jeweiligen Gremien der Evonik und der lokalen Energieversorgungsunternehmen dieser Option noch zustimmen. Dietmar Bückemeyer sieht darin „eine einmalige Chance, die Unternehmensstrategie der Steag künftig ganzheitlich entwickeln zu können.“ Bückemeyer weiter: „Es muss unser Interesse sein, diese Option zu realisieren.“ Risiken sieht das Konsortium in diesem Kauf weiterer Anteile nicht, da dieser in verschiedenen Varianten denkbar wäre. Beispielsweise könnte dies durch die Aufnahme weiterer Konsortialpartner aus dem In- oder Ausland realisiert werden. Dietmar Bückemeyer betont jedoch: „Wir sind in der komfortablen Lage, in aller Ruhe die einzelnen Optionen bewerten zu können.“

In aller Ruhe wird das Konsortium zunächst auch weiter vorgehen und sich die notwendige Zeit für Entscheidungen nehmen. „Auch wenn nun alle gespannt auf den neuen Hauptgesellschafter schauen: Aus unserer Sicht gilt es zunächst das eigentliche ‚Closing’ abzuwarten“, dämpft Dr. Hermann Janning, Vorstandsvorsitzender des Konsortialführers Stadtwerke Duisburg AG, die Erwartungen an detaillierte Aussagen zur künftigen unternehmensstrategischen
Ausrichtung der Steag. Janning: „Sowohl die Mitarbeiter des Unternehmens als auch das Steag-Management verfügen über eine hervorragende Expertise. Wir sind daher gar nicht in der Not, vorschnell agieren zu müssen. Die Steag ist ein profitables Unternehmen mit motivierten und qualifizierten Mitarbeitern, insofern blicken wir entspannt auf das weitere Verfahren.“

Die Evonik Steag GmbH

Die Evonik Industries AG wird sich im Zuge der strategischen Ausrichtung auf die Spezialchemie von den Steag-Anteilen trennen. In der Evonik Steag GmbH sind die Aktivitäten der Strom- und Wärmeerzeugung sowie kraftwerksnaher Dienstleistungen gebündelt. Zu den Kernkompetenzen zählen Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb effizienter Kraftwerke für fossile Brennstoffe. Als netzunabhängiger Stromerzeuger betreibt Evonik Steag GmbH in Deutschland an acht Standorten neun Steinkohlekraftwerke sowie zwei Raffineriekraftwerke mit einer installierten Gesamtkapazität von 8,2 Gigawatt. Im Ausland betreibt das Unternehmen drei Steinkohlekraftwerke in der Türkei, auf den Philippinen sowie in Kolumbien mit einer installierten Gesamtkapazität von 1,7 Gigawatt. Im Zukunftsmarkt Erneuerbare Energien hat das Unternehmen in Deutschland bei der Erzeugung von Strom und Wärme aus Grubengas, Biomasse und Geothermie eine führende Stellung. Mit global ausgerichteten Ingenieurdienstleistungen vertieft Evonik Steag auch länderspezifisches Markt-Know-how in der Energie und entwickelt daraus neue Ansätze für Kraftwerksprojekte.

Die Evonik Steag-Gruppe erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2009 mit 4.820 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro und ein EBITDA von 502 Millionen Euro.

Das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr

Das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr ist ein Zusammenschluss der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21), der Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21), der Energieversorgung Oberhausen AG (evo), der Stadtwerke Bochum GmbH, der Stadtwerke Essen AG, der Stadtwerke Dinslaken GmbH und der Stadtwerke Duisburg AG. Als lokale Energiedienstleister sind die Unternehmen Partner für die Versorgung von Privat- und Gewerbekunden mit Strom, Gas, Wasser und Fernwärme im Ruhrgebiet, dem größten Ballungsraum Deutschlands. Im Geschäftsjahr 2009 setzten die Konsortialunternehmen zusammen rund 7.100 Gigawattstunden Strom sowie 3.000 Gigawattstunden Fernwärme ab und erwirtschafteten mit circa 6.900 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2,9 Milliarden Euro. Das Konsortium hat zum Erwerb der Steag-Anteile eine kommunale Beteiligungsgesellschaft gegründet, die künftig Mehrheitseigentümerin der Steag sein wird. Die Stadtwerke Musterstadt AG ist mit 15 Prozent an dieser Gesellschaft beteiligt. Sitz der Beteiligungsgesellschaft ist Essen.