17.08.2011

Sie kommen in der Nacht

23 Uhr in den Straßen von Essen-Bredeney. Es ist dunkel. Es ist ruhig. Keine Menschenseele mehr auf der Straße. Langsam gehen in den Wohnzimmern die Lichter aus. Wenn die Anwohner schlafen gehen, beginnt für den Entstörungsservice der Stadtwerke Essen AG der Arbeitstag. An 365 Tagen im Jahr sind die Teams des Entstörungsservices in Tages- und Nachtschichten im Einsatz. Sie überprüfen im ganzen Stadtgebiet das Trinkwassernetz und sorgen so für eine sichere und ununterbrochene Trinkwasserzufuhr. Mithilfe einer speziellen Messtechnik werden mögliche Schäden an den Trinkwasserleitungen geortet. Diese Arbeiten können nur nachts erledigt werden, weil bei einer Prüfung am Tag Geräusche wie Verkehrslärm oder Wasserabnahme stören würden. Wasserverluste durch eventuelle Lecks könnten so nicht festgestellt werden.

Wasserhorcher hören genau hin
Die Arbeitsschicht beginnt damit, dass die Mitarbeiter die Wasserzufuhr absperren. Davon bekommen die Anwohner jedoch nichts mit. Die Häuser werden jetzt über einen Durchflussmesser am Messwagen des Entstörungsteams versorgt. Anhand des Durchflusses wird der Wasserverlust  ermittelt. Das sehen die Arbeiter anhand von Diagrammen, die auf einem Computer im Auto angezeigt werden. Sollte der Durchfluss nicht den Nullpunkt erreichen, wissen die Männer, dass eine der Leitungen ein Leck hat. Jetzt beginnt für die Mitarbeiter ein Detektivspiel. Einzelne Strassen des Messgebietes müssen nacheinander ausgeschlossen werden, um die defekte Leitung aufzuspüren. Um die genaue Schadensstelle zu identifizieren, reichen die Messdaten auf dem Computer nicht aus. Hier ist noch echte Präzisionsarbeit gefragt. Die Mitarbeiter des Entstörungsservice werden zu „Wasserhorchern“. Mit dem Bodenmikrofon laufen sie die Wasserleitung Meter für Meter ab. Je näher sie dem Schaden kommen, desto lauter wird das Austrittsgeräusch des Wassers, das sie über Kopfhörer wahrnehmen. Wurde der Schaden entdeckt, wird dieser sofort weitergegeben und behoben. In einer Nachmessung werden die Rohre erneut überprüft. Es kann durchaus sein, dass erst jetzt kleinere Schäden entdeckt werden, da die Geräusche eines größeren Schadens die eines kleineren leicht überdecken können. Wenn dies der Fall ist, rücken auch hier sofort die Kollegen an, um diesen Schaden zu reparieren.

4 Uhr früh. In den Straßen von Essen-Bredeney. Die Messungen in dieser Nacht sind abgeschlossen, der Schaden geortet. Die Nacht geht zu Ende und somit auch der Arbeitstag der „Wasserhorcher“.