26.08.2011

Was lange währt ...

Das Mammut-Projekt der Kanalerneuerung im Hexbachtal geht zu Ende

Das Hexbachtal im Städtedreieck Essen, Mülheim und Oberhausen ist ein idyllischer Fleck Erde. Lange Spazierwege, Teichanlagen und Grünflächen laden Spaziergänger, Fahrradfahrer oder auch Reiter zum Verweilen ein und sind Ausflugsort und Erholungsgebiet in einem. Gerade die Anwohner aus den umliegenden Siedlungen nutzen das Tal häufig und verbringen ihre Freizeit gern im Grünen.

Da das Gebiet von Wohnsiedlungen umgeben ist, ziehen sich Abwasserkanäle durch das Tal. Vor gut einem viertel Jahrhundert wurde beschlossen, die Kanäle zu erneuern.
Bereits 1986 wurden bei der Stadtwerke Essen AG die ersten Pläne für die Erneuerung von Rohren im Hexbachtal erstellt. Die Politik schenkte dem Großprojekt von Anfang an viel Aufmerksamkeit. Gemeinsam wurde eine Planung entwickelt, die allen Interessen gerecht wurde und den Fokus besonders auf eine umweltgerechte Umsetzung des Projektes legte.

Eine Besonderheit dieser Umsetzung war ein bis dato ungewöhnliches und innovatives Verfahren, Abwasserrohre zu erneuern. Bei der damals bundesweit größten innerstädtischen Kanalerneuerungsmaßnahme wurden die Rohre mittels eines Vortriebsverfahrens in Form einer S-Kurve gepresst.  „Gängiger war bis dahin eine gerade Pressung der Rohre. Durch das Pressen dieser S-Kurve konnte beispielsweise sichergestellt werden, dass der Bachlauf nicht verändert wurde“, erklärt Hans-Georg Gottschol, Bauleiter bei der Stadtwerke Essen AG. Ein weiterer Vorteil für die Natur: Ein solches Verfahren läuft unterirdisch ab, die Oberfläche über den Rohren bleibt unberührt. Jörg Geske, Projektplaner bei der Stadtwerke Essen AG, ist überzeugt von dieser unterirdischen Bauweise: „Mit der nun umgesetzten Bauweise konnten grobe Eingriffe in die Natur verhindert werden. Wir konnten für das Hexbachtal sogar eine deutliche und nachhaltige Verbesserung der Landschaftsökologie und Hydraulik des Gewässers erreichen.“

Die Baumaßnahme im Hexbachtal hatte eine Gesamtlänge von rund 2,5 km. Dies ist eine beachtliche Zahl, die einige Herausforderungen mit sich bringt. Sie bedarf eingehender Planung und sorgfältiger Umsetzung.
Erst Ende 2007 konnte mit der Durchführung der konkreten Baumaßnahme begonnen werden. Immer wieder wurden Pläne angepasst, um die Ausführung zu optimieren. Die Baumaßnahme entspricht dem heute aktuellsten Standard für solche Projekte. Die Umsetzung der Baumaßnahme ist aber nicht nur zeit-, sondern auch umweltgerecht. Das Ingenieurbüro Ingolf Hahn für Landschafts- und Umweltplanung stand den Ingenieuren der Stadtwerke stets beratend zur Seite. Die Begleitung war vor allem für die ökologische Umsetzung und die Nachhaltigkeit der Maßnahmen von großer Bedeutung. Während des gesamten Projekts wurde darauf geachtet, so wenig wie möglich in die Natur eingreifen zu müssen. „Das gefiel einem Vogel hier wohl besonders gut“, erinnert sich Hans-Georg Gottschol. „Ein seltener Eisvogel hat sich direkt neben unserer Pressgrube im Bereich der Forellenteiche eingenistet und dort seinen Nachwuchs großgezogen.“
Im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Landschaft wurden nach Beendigung der eigentlichen Baumaßnahme zudem Renaturierungsmaßnahmen vorgenommen. Neue Bäume, Hecken und Gräser wurden gepflanzt, Teiche angelegt und als besonderer Zusatz ein Regenrückhaltebecken erstellt. Das offene, in die Landschaft integrierte Becken wirkt bei starkem Regen entlastend, indem das Wasser in den Hexbach geführt wird. Dies geschieht allerdings nicht auf direktem Wege, sondern das Wasser gelangt aus dem Becken über den Boden in den Bach und wird dadurch auf natürliche Weise gefiltert.

Damit aber noch lange nicht genug: Wenn man schon einmal dabei ist, eine Rundum-Erneuerung durchzuführen, dann auch richtig. Die Stadtwerke ließen unter Beteiligung von Grün und Gruga sowie von RVR morsche Sitzbänke für Spaziergänger abreißen und ersetzen. Auch die Fußwege wurden ausgebaut und sogar ein neuer Reitweg wurde angelegt. Alle Beteiligten – Anwohner, Politik, Umweltschutzverbände, Behörden und Bürgerinitiativen – sind mit dem Endergebnis zufrieden. Die Anwohner und Besucher des Tals wurden während der gesamten Bauzeit kommunikativ einbezogen. Sie konnten sich in einem eigens dafür aufgestellten „mobilen Büro“ über die Maßnahme informieren, Fragen stellen und Anregungen geben. „Wir freuen uns, dass dieses Angebot so zahlreich wahrgenommen wurde. Die positiven Rückmeldungen während der Umsetzung des Projekts sind eine Bestätigung für unsere Arbeit“, erklärt Hans-Georg Gottschol.

Mittlerweile sind alle Pflanzen im Tal wieder so zahlreich und hoch gewachsen, dass nicht einmal die Vermutung einer Baustelle in der Vergangenheit aufkommt. Das Hexbachtal erstrahlt in einem neuen Grün.