21.06.2011

Weniger Atomstrom für Essen

In der letzten Ratssitzung hatten die Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke einen gemeinsamen Antrag zum Thema Atomstrom gestellt. Dieser wurde mit breiter Mehrheit angenommen. Einige Forderungen gingen auch in Richtung Stadtwerke Essen AG. In der letzten Aufsichtsratssitzung, unter Vorsitz von Bürgermeister Franz Josef Britz, haben die Stadtwerke Essen ihre Aufsichtsratsmitglieder dazu informiert.

Der Atomstromanteil beim Stadtwerke-Strom ist deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt. Nach den Sommerferien wird es eine Werbekampagne zum Thema Ökostrom geben. Planung, Bau und Betrieb von BHKWs (Blockheizkraftwerk) sind bereits heute Tagesgeschäft für die Stadtwerke Essen – das waren die zentralen Aussagen in Bezug auf den Ratsbeschluss.

Nach Sonnenstrom vom Rathausvordach soll jetzt in einen Windpark investiert werden

Das Thema regenerative Energien soll weiter forciert werden. Der Bau der Photovoltaikanlage auf dem Rathausdach war der Einstieg. Unter dem Dach der Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (EVV) baut man derzeit mit den Partnern Allbau und Grün und Gruga ein Biomasseheizwerk. Jetzt haben die Stadtwerke mit anderen Unternehmen der Thüga Gruppe eine Gesellschaft gegründet, die sich an Windparkprojekten beteiligen wird. Drei Millionen Euro sollen hier investiert werden. Derzeit fehlt nur noch die Genehmigung der Bezirksregierung aus Düsseldorf.

Seit gut zwei Jahren verkaufen die Stadtwerke Strom

Das Unternehmen verkauft seit Mai 2009 Strom an Essener Kunden. Was nach wie vor ein Pilotprojekt ist, hat sich vom Start weg gut entwickelt. Inzwischen versorgt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 14.000 Zähler mit dem Stadtwerke Strom. Davon rund 8.000 Haushalte und weitere 6.000 Hauszähler von Wohnungsbauunternehmen. Was da als Strommix bei den Kunden ankommt, liest sich auf der Internetseite von „Klaro-Energie" so. Man ist beim Atomstromanteil und dem regenerativen Anteil besser als der Bundesdurchschnitt. Hat der Atomstrom im Bundesdurchschnitt einen Anteil von 24,9 % am Strommix, so hat er beim Klarostrom nur 17,3 %, rund 30 % weniger.

Das Ökostromprodukt der Klarofamilie besteht zu 100 % aus Wasserkraft. Hierfür haben sich bisher rund 400 Kunden entschieden. „Wir verzeichnen seit der Atomkatastrophe in Japan zwar eine erhöhte Nachfrage nach Ökostrom, aber wir würden uns wünschen, dass sich noch mehr Kunden dafür entscheiden", so Dr. Bernhard Görgens, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Essen AG. Bei einem Mehrpreis von einem halben Cent pro Kilowattstunde, macht das für einen Durchschnittshaushalt keine 2 Euro im Monat aus. „Nach den Sommerferien werden wir auf unser Ökostromprodukt im Rahmen einer Werbekampagne noch einmal aufmerksam machen", so Görgens weiter. Als Fazit bleibt aber, am Ende setzt immer noch der Kunde seine Unterschrift unter den Vertrag. Ob Graustrom oder Ökostrom und was es ihm wert ist, entscheidet er allein.