12.11.2014

Ein Arbeitsleben kann auch mal 128 Jahre dauern

Wasserleitung in der Wattenscheider Straße von 1886 wird ersetzt

Das durchschnittliche Arbeitsleben eines Berufstätigen in Deutschland, so haben Statistiker der Europäischen Union errechnet, dauert 36,8 Jahre. Eine Zahl, über die eine 128 Jahre junge Hauptwasserleitung in der Wattenscheider Straße vermutlich nur schmunzeln würde.

1886: Die Bürgermeisterei Stoppenberg erhält eine neue Wasserleitung

1886 war für Deutschland zwar politisch wenig ereignisreich, dafür sollte ein Tüftler aus Baden in diesem Jahr die Welt verändern: Carl Benz meldete im Januar 1886 ein Patent für sein Automobil an und kennzeichnete so die Geburtsstunde eines späteren Massenverkehrsmittels.

Zur selben Zeit in einer Gemeinde im Westen Preußens: Mehrere Arbeiter verlegen in der Bürgermeisterei Stoppenberg im boomenden Kohlerevier an der Ruhr eine Hauptwasserleitung für die wachsende Bevölkerung. Das von Benz patentierte Automobil und dessen „Nachfahren" sollten für nahezu 14 Jahrzehnte nur wenige Meter oberhalb dieser Gussleitung rollen.

2014: In Essen-Leithe geht die alte Wasserleitung vom Netz

Heute, 128 Jahre nach der Verlegung, stehen an gleicher Stelle in der Wattenscheider Straße erneut Arbeiter. Sie nehmen die Leitung aus dem Jahr 1886 vom Netz und ersetzen sie durch ein modernes Versorgungssystem aus Stahl.

Zwischen der Verlegung 1886 und der Stilllegung dieser Wasserleitung 2014 liegt nicht nur das an Geschichte ebenso reiche wie schicksalsträchtige 20. Jahrhundert. Die vergangenen 128 Jahre sind vor allem geprägt durch eine Zeit enormen technischen und wissenschaftlichen Fortschrittes, für den nicht nur die Erfindung des modernen Automobils sinnbildlich erscheint.

Versorgung mit frischem Trinkwasser

Der Zweck dieser alten Gussleitung aus dem vorletzten Jahrhundert ist trotz aller Innovationen und Veränderungen aber derselbe geblieben: Die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit frischem, hochwertigen Trinkwasser. Dass die Leitung mit einem Innendurchmesser von 30 bis 40 cm in Essen-Leithe so lange Zeit zuverlässige Dienste leisten konnte, sei kein Zufall, erläutert Stadtwerke-Sprecher Dirk Pomplun: „Wir haben in Essen noch einige wenige Straßen, in denen Leitungen oder Kanäle aus dem Kaiserreich liegen. Das Alter beeinträchtigt die Wasserqualität aber nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Durch die hohe Materialqualität und durch unsere kontinuierlichen Kontrollen seit Jahrzehnten ist es häufig weder nötig noch wirtschaftlich sinnvoll, die alten Leitungen und Kanäle vorzeitig auszutauschen."

Bauarbeiten in der Wattenscheider Straße

Im vorliegenden Fall aber, so erläutert Pomplun, ist eine Erneuerung aufgrund des sehr hohen Alters der Leitung sinnvoll. Insgesamt wird dabei zwischen der Krayer Straße und „Am Isinger Bach" in offener Bauweise rund ein Leitungskilometer neu verlegt. Hierzu ist es erforderlich, einen Graben mit einer Tiefe von 1,6 bis 1,8 Metern auszuheben. Neben der Leitungsverlegung werden auch 52 Hausanschlüsse an die neuen Leitungen angeschlossen. Die Hausbesitzer wurden bereits im Vorfeld über die Arbeiten informiert.

Für die Dauer der Arbeiten wird die Wattenscheider Straße für voraussichtlich acht Monate für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt dabei über die Krayer Straße sowie den Korthover Weg. Anlieger können aber weiterhin zu ihren Häusern und Wohnungen vorfahren. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten voraussichtlich im Herbst des kommenden Jahres abgeschlossen werden können", erläutert Pomplun.
 

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