09.04.2014

Stadtwerke: Ruhestand nach 130 Jahren Dienstzeit

Stadtwerke erneuern Versorgungsleitungen in der Steeler Straße

Die Stadtwerke Essen haben vor wenigen Wochen mit der umfangreichen Erneuerung von Erdgas- und Wasserleitungen in der Steeler Straße begonnen. Im Bereich zwischen der Herwarthstraße und der Huttropstraße werden insgesamt rund 640 Meter Wasser- sowie circa 260 Meter Erdgasleitungen erneuert.

Zum Teil werden diese Arbeiten grabenlos in einem bergmännisch gebauten Stollen durchgeführt. Da auf der Steeler Straße jeden Tag neben zahlreichen Autos und Fahrrädern auch die Straßenbahnen der EVAG verkehren, vermeiden die Stadtwerke durch das aufwendige grabenlose Bauverfahren eine Vollsperrung. Abschnittsweise werden einzelne Fahrspuren der Steeler Straße teilgesperrt, Busse und Straßenbahnen verkehren planmäßig. Die Zufahrt für Einsatz- und Rettungsfahrzeuge ist während der Baumaßnahme selbstverständlich gewährleistet.

Die Bauarbeiten können voraussichtlich im Juli 2014 abgeschlossen werden. Im Anschluss an die Sanierungsarbeiten der Stadtwerke wird die EVAG im Bereich der Steeler Straße ihrerseits Bauarbeiten durchführen.

Wasserleitung aus dem 19. Jahrhundert

„Das Besondere an dieser Baustelle ist aber zweifelsohne eine Wasserversorgungsleitung, die noch aus dem 19. Jahrhundert stammt“, schildert Stadtwerke-Sprecher Dirk Pomplun.

Wir schreiben das Jahr 1884: Während in Berlin Kaiser Wilhelm I. den Grundstein für den Bau des Reichstages legt und in der bayerischen Provinz die erste Fahrradfabrik Europas eröffnet wird, verlegen Arbeiter eine Wasserversorgungsleitung durch Huttrop. Das Gebiet des heutigen Essener Stadtteils Huttrop gehörte zu diesem Zeitpunkt zusammen mit weiteren Bauernschaften bis zu seiner Eingemeindung 1929 zur Bürgermeisterei Stoppenberg.

Keiner der Arbeiter konnte sich wohl vorstellen, welch langes und ereignisreiches Arbeitsleben eben jene Versorgungsleitung vor sich haben würde. Es folgte der durch die Schwerindustrie geprägte wirtschaftliche Aufschwung der Stadt: Das Pferdetraben oberhalb der Leitung wurde bald darauf durch Motorengeräusche abgelöst. Um die 1884 verlegte Versorgungsleitung herum wurden im Laufe der Jahre aufgrund des Bevölkerungszuwachses der Stadt weitere Leitungen und Kabel verlegt. Auch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg, den erneuten Boom in den Nachkriegsjahren sowie den Strukturwandel der Stadt erlebte die Versorgungsleitung als Zeitzeuge mit.

Ziemlich genau 130 Jahre nach Verlegung der Leitung wird sie nun in ihren wohl verdienten Ruhestand geschickt: „In der Tat ist es bemerkenswert, dass eine Versorgungsleitung 130 Jahre zuverlässig ihren Dienst macht. Wir haben es hier schlichtweg mit einer ausgezeichneten Bau- und Ingenieursleistung zu tun“, so Dirk Pomplun.

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