23.09.2015

Kanalbaumaßnahme im Walpurgistal

Die größte Kanalbaumaßnahme der Stadtwerke Essen im Überblick

Die Kanalbaumaßnahme im Walpurgistal ist ein wahres Mammutprojekt. Insgesamt 530 Rohrelemente aus Stahlbeton, mit einem Gesamtgewicht von rund 13.000 Tonnen, werden auf einer Länge von etwa 1,6 Kilometern sowohl in offener als auch in geschlossener Bauweise verlegt. Zwischen der Straße Am Glockenberg und der Birkenstraße entsteht derzeit der neue Kanal, der zukünftig die Abwasserentsorgung großer Teile des Essener Südens gewährleistet.

Schritt für Schritt zum neuen Abwasserkanal

Die Kanalbaumaßnahme ist in drei Bauabschnitte und verschiedene Bauphasen unterteilt:

Infobox - Die Bauabschnitte im Überblick

I. Bauabschnitt: 

• Bachverrohrung Rellinghauser Mühlenbach St. Annenkapelle bis Glockenberg 
 

II. Bauabschnitt: 

• Vorbereitungen der Kanalbaumaßnahme 

• 1. Bauphase: Rohrverlegung Glockenberg bis Eschenstraße  Verlegung eines Seitenkanals (Im Walpurgistal  – Stiftmühlenbrink) 

• 2. Bauphase: Rohrverlegung Eschenstraße bis Gönterstraße 
 

III. Bauabschnitt: 

• 3. Bauphase: Rohrverlegung Gönterstraße bis Birkenstraße 

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I. Bauabschnitt: 

Von April 2008 bis April 2009 wurde im ersten Bauabschnitt die Bachverrohrung von der Sankt-Annenkapelle im St. Annental bis zum Glockenberg erstellt. Innerhalb eines Jahres wurden hier in etwa 20 Metern Tiefe die Rohre für den Bach verlegt. Per Vortriebverfahren wurden sie in geschlossener Bauweise auf einer Länge von rund 660 Metern verlegt und führen seither unter der Rellinghauser Straße hindurch.  

II. Bauabschnitt: 

Bevor mit der Arbeit am großen Abwasserkanal ab Glockenberg begonnen werden konnte, mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. So wurden nötige Rodungsarbeiten durchgeführt, Materialien und Baucontainer angeliefert und eingerichtet und die Arbeitsfläche wurde für die Kanalverlegung vorbereitet. 

Danach wurde planmäßig ab April 2015 innerhalb von rund vier Monaten ein erstes Provisorium mit einem Durchmesser von zwei Metern verlegt. Dieses sorgt für die Abwasserumleitung während der Bauzeit. 

Schon im Juli wurden dann die ersten großen Rohre für den neuen Abwasserkanal geliefert. „Das war und ist eine logistische Herausforderung. Die rund 30 Tonnen schweren Betonrohre haben einen Außendurchmesser von 4,30 Metern und kommen als Schwertransport zur Baustelle. Immer zwischen 22:00 und 06:00 Uhr. Da solche Schwertransporte nicht der Straßenverkehrszulassungsordnung entsprechen, dürfen sie nur in der Nacht fahren, “ erklärt Dirk Pomplun, Pressesprecher der Stadtwerke Essen. 

1. Bauphase: Rohrverlegung Glockenberg bis Eschenstraße 

Derzeit werden die Rohre vom Glockenberg bis zur Eschenstraße auf rund 600 Metern verlegt. Ein Rohrelement hat dabei eine Länge von 2,5 Metern, einen Innendurchmesser von 3,6 Metern und wiegt rund 28 Tonnen. Für die erste Strecke werden somit 235 Rohrelemente und insgesamt rund 6.600 Tonnen Stahlbeton verbaut. 260 Meter der Strecke sind bereits geschafft. 

Verlegung eines Seitenkanals von der Straße Im Walpurgistal bis zum Stiftmühlenbrink

Ab Oktober 2015 wird parallel zur Verlegung des Abwasserkanals in der ersten Bauphase ein Seitenkanal von der Straße Im Walpurgistal bis zum Stiftmühlenbrink gebaut. Dieser wird über eine Länge von 235 Metern verlegt und schließlich an den neu verlegten großen Abwasserkanal angeschlossen. Der Bau des Seitenkanals dauert voraussichtlich rund drei Monate.

2. Bauphase: Rohrverlegung Eschenstraße bis Gönterstraße

Nach Fertigstellung der ersten Bauphase, wird auf einer Länge von 480 Metern der Bereich von der Eschenstraße bis zur Gönterstraße in Angriff genommen. Hierfür wird zunächst ein zweites Provisorium verlegt, das wieder für die Abwasserumleitung während der Maßnahme sorgt. Für den Abwasserkanal nehmen hier in Zukunft insgesamt rund 190 Rohre mit einem Durchmesser von 3,2 Metern und einem Gesamtgewicht von 3.800 Tonnen Platz.

III. Bauabschnitt:

3. Bauphase: Rohrverlegung Gönterstraße bis Birkenstraße

Parallel zur zweiten Bauphase beginnt voraussichtlich Anfang nächsten Jahres auch der dritte Bauabschnitt der Großbaumaßnahme. Von der Gönterstraße bis zur Birkenstraße wird dann der Rest des Abwasserkanals verlegt. Die Projektvergabe und Beauftragung der Baufirma wird wohl noch in diesem Jahr stattfinden.

Renaturierung Rellinghauser Mühlenbach

Parallel zur Verlegung des Kanals beginnt auch ab 2016 die Renaturierung des Rellinghauser Mühlenbachs. Der naturnah wiederhergestellte Bach wird dann ein reines Gewässer und ist komplett getrennt vom Abwasserkanal.

„Selbstverständlich sind die Begleiterscheinungen der Baustelle für die Anwohner eine Herausforderung. Aber das Ergebnis wird sich lohnen. Denn nach Fertigstellung und Renaturierung wird sich der Rellinghauser Mühlenbach glasklar und natürlich durch das Tal ziehen. Die Zeiten der oberirdischen „Köttelbecke“ sind damit dann Geschichte, “ erzählt Dirk Pomplun, Pressesprecher der Stadtwerke Essen.

Die große Kanalbaumaßnahme im Walpurgistal kann voraussichtlich im ersten Quartal 2018 komplett abgeschlossen werden. 

Willkommen beim Bagger-Ballett – Das Bauverfahren

Eine große Baumaßnahme erfordert große Geräte. So arbeiten im Walpurgistal vier große Bagger gleichzeitig Hand in Hand. Jeder Bagger hat eine andere Aufgabe und ist für das Voranschreiten der Maßnahme von großer Bedeutung. So wie sich die vier großen Baugeräte auf engstem Raum vorwärts und rückwärts bewegen, sich drehen und wenden, die Schaufeln und Spezialwerkzeuge hieven und schwenken, wirkt es so, als sehe man den Baggern beim Ballett zu.

Der erste Bagger kümmert sich um die Herstellung der Baugrube. Hierbei kommt eine besondere und von der Baufirma patentierte Bautechnik zum Einsatz: Mit einem speziellen Profilschild wird der Graben so vorbereitet, dass die Rohre passgenau in der Grube verlegt werden können.

Diese Bautechnik hat auch zum Vorteil, dass deutlich weniger Bodenaushub anfällt als bei gängigen Bauverfahren und somit relativ wenig Platz benötigt wird.

Ist der Graben vorbereitet, kann der große Seilbagger eins der wuchtigen Rohre zur Grube bringen. Gleichzeitig hat ein dritter Bagger die Umgebung des Grabens so aufbereitet, dass der Seilbagger ohne Hindernisse das Rohrelement befördern kann. Währenddessen das Rohr in die Grube eingesetzt wird, steht schon der erste Bagger wieder parat. Diesmal einen Kreuzaufsatz an Stelle des Schildes am Baggerarm. Damit schiebt er das Rohr an das vorherige Element. Im Anschluss daran kommt auch der vierte Bagger zum Zug und füllt den vor Ort gewonnenen Füllboden in die Grube. Derweil hat der erste Bagger seinen dritten Aufsatz parat und verdichtet mit diesem den frisch aufgeschütteten Füllboden.

Und so geht es immer weiter. Schritt für Schritt und Stück für Stück. Mit vier großen Baggern inklusive ausgeklügelter Technik, entstehen im Walpurgistal ein neuer Abwasserkanal und ein glasklarer Mühlenbach, an dem die Kinder wie vor 100 Jahren spielen können.
 

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Pressebild als JPG herunterladen (Quelle: Stadtwerke Essen AG)