09.02.2017

Kanalbaumaßnahme im Walpurgistal

Die größte Kanalbaumaßnahme der Stadtwerke Essen geht schnell voran

Das Tal des Rellinghauser Mühlenbaches stellt eine der wichtigsten Abwasser- und Regenwasserachsen des Essener Südens dar. Das gesamte Abwasser aus den Häusern sowie das Regenwasser von Dächern, Straßen und allen anderen befestigten Flächen fließen in der Talachse zusammen. Bis zum jetzigen Ausbau floss das Wasser bei entsprechenden Regenereignissen offen durch eine circa 3 Meter breite Betonrinne. Bei Starkregen schwoll die Rinne jedes Mal so stark an, dass es immer wieder zu Überflutungen kam. Nach den Regengüssen fanden sich regelmäßig Reste von Toilettenpapier und ähnlichen Artikeln in den Sträuchern am Rinnenrand. Das gehört nach Abschluss aller Arbeiten der Vergangenheit an.

Warum ein solches Mammutprojekt?

Im Walpurgistal entsteht auf einer Länge von insgesamt rund 2,5 Kilometern ein neuer Abwasserkanal. Dieser gewährleistet zum einen die ordnungsgemäße Abwasserbeseitigung für die jetzige Bebauung. Zum anderen wird mit diesem Mammutprojekt aber auch die Möglichkeit geschaffen, weitere Abwasserkanäle der geplanten Bebauungsgebiete im Essener Süden anzuschließen.

Im neuen Kanal können zukünftig bis zu circa 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde transportiert werden. An manchen Stellen hat dieser einen Durchmesser von 3,6 Metern. Bildlich gesehen, kann man sich das so vorstellen als würde ein 40.000 Liter Tanklastzug pro Sekunde an einem vorbeifahren", verdeutlicht Melanie Odenthal, verantwortlich für die Bauleitung bei den Stadtwerken, die außergewöhnlichen Dimensionen der Rohre.

Die städtebauliche Entwicklung im Essener Süden profitiert vom schnellen Baufortschritt

Der neue Abwasserkanal im Walpurgistal stellt auch die Grundlage für eine zukunftsorientierte städtebauliche Entwicklung dar. Er wird künftig alle klärpflichtigen Wassermengen aus den Stadtteilen Essen Rüttenscheid und Stadtwald aufnehmen und diese Richtung Kläranlage Essen-Süd in der Heisinger Ruhraue transportieren. Zwei von vier Einleitstellen konnten durch den Baufortschritt bereits ordnungsgemäß an den neuen Kanal angeschlossen werden. Die dritte Einleitstelle wird am 30. Juli und damit sogar ein halbes Jahr vor dem geplanten Termin ebenfalls an den neuen Kanal angeschlossen. Das ermöglicht den früheren Start von Neubauprojekten in diesem Bereich. "Ich freue mich sehr über den schnellen Baufortschritt. Durch die frühzeitigere Inbetriebnahme dieses Teilstücks profitiert nicht nur die städtebauliche Entwicklung in einem attraktiven Umfeld, sondern wir haben uns hierdurch ein Mehr an ursprünglicher Natur in unsere Stadt zurückgeholt", so Simone Raskob, Umweltdezernentin der Stadt Essen.

Nach Abschluss des Kanalbaus wird der Rellinghauser Mühlenbach naturnah wiederhergestellt. Einen ersten Einblick bekommt man bereits jetzt im Bereich Gönterstraße und Glockenberg.

Komplett fertiggestellt wird die größte Kanalbaumaßnahme im Walpurgistal voraussichtlich im ersten Quartal 2018.

Ein Überblick: Zahlen, die beeindrucken

  • Die Bagger haben rund 70.000 Kubikmeter Erde bewegt
  • Der 2,5 Kilometer lange Abwasserkanal besteht aus circa 1.000 Rohrstücken
  • Alle Rohrstücke zusammen wiegen rund 15.750 Tonnen
  • Das Wirbelschachtbauwerk hat die Höhe eines 4 - 5 stöckigen Gebäudes
  • In das Einlaufbauwerk an der Gönterstraße passen fast 5.000 Badewannen
  • Die Gesamtinvestition liegt bei rund 20 Millionen Euro

Rückblick: Schritt für Schritt zum neuen Abwasserkanal

Die Kanalbaumaßnahme ist in drei Bauabschnitte und verschiedene Bauphasen unterteilt:

I. Bauabschnitt:

Bereits von April 2008 bis April 2009 wurde im ersten Bauabschnitt die Bachverrohrung von der Sankt-Annenkapelle im St. Annental bis zum Glockenberg auf einer Länge von 600 Metern realisiert. Seither verläuft der Rellinghauser Mühlenbach in 20 Metern Tiefe unter der Schnabelstraße und quert die Rellinghauser Straße bis in das Walpurgistal, wo der naturnah hergestellte Bach angeschlossen wurde.

II. Bauabschnitt:

Bevor mit der Arbeit am großen Abwasserkanal ab Glockenberg begonnen werden konnte, mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. Dazu gehörten die nötigen Rodungsarbeiten, die Anlieferung von Materialien und Baucontainern und die Vorbereitung der Arbeitsfläche für die Kanalverlegung.

Danach wurde planmäßig ab April 2015 innerhalb von rund vier Monaten ein provisorischer Kanal mit einem Durchmesser von zwei Metern verlegt. Dieser sorgte für die Abwasserumleitung während der Bauzeit.

Schon im Juli 2015 kamen die ersten großen Rohre für den neuen Abwasserkanal. "Die Anlieferung der Kanalrohre war eine logistische Herausforderung. Die rund 30 Tonnen schweren Betonrohre mit einem Außendurchmesser von 4,4 Metern mussten per Schwertransport zur Baustelle gebracht werden", berichtet Dirk Pomplun, Pressesprecher der Stadtwerke Essen.

1. Bauphase: Rohrverlegung Glockenberg bis Eschenstraße

Von August 2015 bis Dezember 2015 verlegte dann ein Spezialunternehmen auf rund 600 Metern Länge die Rohre vom Glockenberg bis zur Eschenstraße. Ein Rohrelement hatte dabei eine Länge von 2,5 Metern, einen Innendurchmesser von 3,6 Metern und wog rund 30 Tonnen. Die erste Strecke bestand somit aus 235 Rohrelementen mit einem Gesamtgewicht von rund 7.000 Tonnen Stahlbeton.

Verlegung eines Seitenkanals von der Straße Im Walpurgistal bis zum Stiftmühlenbrink

Parallel zur Verlegung des Abwasserkanals in der ersten Bauphase wurde ein Seitenkanal von der Straße Im Walpurgistal bis zum Stiftmühlenbrink gebaut. Bevor er an den neu verlegten Abwasserkanal angeschlossen werden konnte, mussten die Rohre über eine Länge von 235 Metern verlegt werden.

2. Bauphase: Rohrverlegung Eschenstraße bis Gönterstraße

Nach Fertigstellung der ersten Bauphase, nahmen die Bagger auf einer Länge von 480 Metern den Bereich von der Eschenstraße bis zur Gönterstraße in Angriff. Von Januar 2016 bis Dezember 2016 wurden hier insgesamt rund 190 Rohre mit einem Durchmesser von 3,2 Metern und einem Gesamtgewicht von 3.800 Tonnen in offener Bauweise verlegt.

Erstellung eines Einlaufbauwerks in der Straße Am Glockenberg

Zusätzlich entstand im zweiten Bauabschnitt ein sogenanntes Einlaufbauwerk. Dieses bildet den Anschluss des neu verlegten Kanals an das bereits bestehende Kanalnetz. Dadurch werden größere Wassermengen aus dem Rellinghauser Mühlenbach ferngehalten und direkt zur Kläranlage transportiert. Die beeindruckenden Dimensionen dieses Bauwerkes lassen sich an seinen Maßen ablesen: Es weist eine Breite von knapp 12 Metern, eine Höhe von etwa 6,5 Metern sowie eine Tiefe von circa 8 Metern auf.

III. Bauabschnitt:

3. Bauphase: Rohrverlegung Gönterstraße bis Birkenstraße - Bahndamm musste unterquert werden

Anfang letzten Jahres begann parallel zum zweiten auch der dritte Bauabschnitt der Großbaumaßnahme. Von der Gönterstraße bis zur Birkenstraße werden zurzeit die restlichen Rohre des Abwasserkanals verlegt.

Vorher musste jedoch der Bahndamm unterquert werden. Im sogenannten Vortriebsverfahren wurden die Rohre, mit einem Innendurchmesser von 3 Metern, unter dem Bahndamm durchgepresst. In 20 Metern Tiefe und auf einer Länge von 200 Metern fand die Pressung statt. Bei diesem Verfahren werden die Rohre aus einer offenen Startbaugrube heraus direkt in das Erdreich bis hin zu einer ebenfalls offenen Zielbaugrube gepresst. Die Startgrube, auch Pressgrube genannt, liegt im Bereich Gönterstraße, die Zielgrube befindet sich hinter dem Bahndamm in Richtung Birkenstraße.

Errichtung eines Wirbelfallschachtes

In der Zielbaugrube des Vortriebs wird zurzeit ein sogenannter Wirbelfallschacht gebaut. Dieser transportiert das Abwasser kontrolliert über die Höhendifferenz von circa 8,5 Metern nach unten. Dies geschieht durch einen spiralförmigen Einlaufwirbel, der dem Bauwerk seinen Namen gibt. Das hört sich einfach an, ist aber ein technisch sehr anspruchsvolles Bauwerk. Würde man das Abwasser über diese Höhe wie einen Wasserfall nach unten stürzen lassen, würde dies auf Dauer das Bauwerk stark beschädigen. Die jetzt gewählte Bauart verhindert das.

Die Dimensionen des Bauwerkes sind beeindruckend: Diese lassen sich mit der Höhe eines 4 bis 5-stöckigen Hauses vergleichen.

Ausblick: Wie geht es im Walpurgistal weiter?

Zum Abschluss des Kanalbaus werden im dritten Bauabschnitt die Anschlüsse bzw. die Einbindungen der bestehenden Kanalsysteme aus Rüttenscheid und Stadtwald hergestellt.

Im Rahmen des naturnahen Ausbaus werden unter anderem Teilflächen als Forstflächen naturnah wiederhergestellt. Zudem bekommt der Bach ein natürliches Bachbett und wird im Uferbereich bepflanzt. Mithilfe der Pflanzmaßnahmen soll der örtlichen Flora und Fauna Möglichkeiten zur Entwicklung geboten werden.

Am Anfang der Baumaßnahme war es notwendig, einen Spielplatz in eine Lagerfläche umzufunktionieren. Aus der Lagerfläche ist inzwischen eine Rasenfläche geworden, auf der ein großzügiger Spielplatz neu entsteht. Dieser soll dem Landschaftsbild entsprechend ausgebaut werden.

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